
„Almost Heaven, West Virginia“ heißt es in der ersten Strophe von Country Roads – Unberührte Natur, ewige Schönheit und absolute Vollkommenheit. Ein Gefühl, fast wie im Himmel. Der Song behauptet, das ginge nur in West Virginia. Ich glaube, Haus Hannah ist mein West Virginia. Manche sagen, in Haus Hannah wohnt Gott, ein Teamer meinte mal, es ist das Sommerschloss von Jesus. Ich glaube, Haus Hannah ist so nah am Himmel, wie sonst kaum ein Ort.
„Almost Heaven“ – Wo man hier auch hinsieht, ist es himmlisch. Meine Vorstellung vom Himmel ist mit Freiheit verbunden. Mit dem Grundsatz, dass alle so sein können, wie sie gerne möchten. Und genau dieser Grundsatz kommt hier zum Tragen: Alle sind freiwillig hier und niemand wird zu irgendetwas gezwungen. Wer gern Ball spielt, findet sicher Mitspieler, wer gern Bravo liest, findet sie auf der Wiese auf dem Schwungtuch, wer gern im See badet, kann das mehrfach täglich und wer gern seine Ruhe hat, findet genügend Rückzugsorte. Auch die weiten, ruhigen Wiesen rundherum, das riesige Außengelände und die Abgelegenheit lassen Haus Hannah für mich zu einem Ort werden, der eine einzigartige Freiheit verkörpert. Die Freiheit, hierherkommen zu können, aber auch die Freiheit, hier ich selbst zu sein. Weit weg von Schul-, Arbeits- oder Studienstress. Die Freiheit, nicht sein Handy zu benutzen und für niemanden erreichbar sein zu müssen. Keine Snapchat-Flammen, keine Duolingo-Streaks, einfach nur dreißig wunderbare junge Menschen, eine Woche lang auf einem Haufen.
Menschen, die sich vorher kaum kannten, werden, so schnell wie sonst nirgends, Bekannte. Eine weitere himmlische Eigenschaft – Zusammenhalt. In wenigen Tagen von Bekannten zu Freunden und nicht selten zu besten Freunden. Als ich wenige Tage zuvor mit den KonfirmandInnen vor dem Gemeindehaus in Othmarschen stand und in fremde, erwartungsvolle Gesichter geschaut habe, ahnte ich es noch nicht, doch spätestens dann, als es an Tag 2 oder 3 im Essenssaal so laut wurde, dass ich mein Gegenüber kaum verstanden habe, einfach nur, weil sich alle so intensiv unterhalten haben. Wenn sich Menschen kennen lernen, die ohne Haus Hannah nie voneinander gewusst hätten, dann merkt man, was für eine Kraft dieser Ort hat. Die Kraft, Menschen zusammenzubringen. Die Kraft, aus fremden Individuen eine Gemeinschaft zu formen. Eine Gruppe, die aufeinander achtet und sich umeinander kümmert.
Ich glaube auch, im Himmel herrscht Gerechtigkeit. Die Vorstellung, dass alle das bekommen, was sie brauchen und niemand benachteiligt wird. Da sind wir in Haus Hannah ziemlich nah dran. Wir haben eigens aufgestellte Regeln zum Umgang miteinander und diese gelten für alle gleich. Es gibt mindestens drei Mal täglich köstliches Essen, das Menschen mit Liebe gekocht und serviert haben. Es ist immer mehr als genug Essen für alle und niemand muss hungrig vom Tisch aufstehen. Das ist wunderbar.
Aber natürlich kann auch hier nicht immer alles reibungslos ablaufen. Auch Teamer machen mal Fehler und auch Konfis streiten sich mal miteinander. Der entscheidende Aspekt, der diesen Ort trotzdem so himmlisch macht, ist die Tatsache, dass jeder Konflikt von der Gemeinschaft aufgefangen werden kann. Hier wird vernünftig über Probleme gesprochen, hier werden Sorgen geteilt und hier bemühen sich alle, möglichst schnell wieder Frieden einkehren zu lassen. Das macht es so einzigartig. Dass man so sein kann, wie man möchte, und dass man auch Fehler machen darf.
„Almost Heaven“ – Wir vergeben einander und sind füreinander da.
Guter Gott, wir danken dir für die Reisen nach Haus Hannah.
Bitte lass uns die Erinnerungen, die auf diesen Reisen entstanden sind und noch entstehen, nie vergessen.
Bitte bewahre diesen Ort als Oase der Menschlichkeit und schenke uns unzählige weitere magische Haus Hannah-Momente.
Gib allen, die nach uns kommen, das große Glück, diesen Ort ebenfalls als so idyllisch kennen zu lernen.
Bitte lass Haus Hannah auch für zukünftige Jahrgänge in seiner ganzen Pracht aufblühen und ein Ort der Zuversicht bleiben.
Amen.
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Diese Andacht schrieb Gustav, Teamer auf der Sommerferien-Reise, und wiederholte sie anlässlich der Andacht zum Geburtstag von Kurt Müller-Matthieu Anfang September auf dem Friedhof Stiller Weg am Grab der Müller-Matthieus. Wir danken Dir sehr, Gustav!